Otto-Hahn-Schule will mehr als eine Lernanstalt sein

Printausgabe vom 29.05.2006

Nieder-Eschbach. Die von der CDU-Landesregierung ständig erhöhten Arbeitsanforderungen im Schulbetrieb lassen kaum noch Spielraum: Das zumindest meint die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Das Beispiel der Otto-Hahn-Schule in Nieder-Eschbach würde dies zeigen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Das Kollegium hat jetzt zusammengestellt, wie sich die Arbeitsbelastung und die Arbeitsanforderungen an einer größeren Gesamtschule im Frankfurter Stadtrandgebiet gegenwärtig darstellen. Zumal es um eine Schule gehe, die den Anspruch habe, "engagiert darum zu kämpfen, dass jeder Schüler die Schulausbildung erhält, die eine Chance bietet, in Gesellschaft und Arbeitswelt einen Platz zu finden".

"Über den Schulalltag hinaus bieten Lehrkräfte und Schulleitung Möglichkeiten an, dass Schule nicht nur Lernanstalt ist, in der eine lästige Pflicht erfüllt wird", heißt es weiter. "Schule soll hier als Lebensort angeboten werden, an dem sozialer Umgang, Erfahrungsgewinn und die Entwicklung zu selbstständigen und verantwortungsbewussten Menschen möglich gemacht werden soll." Dies sieht nicht nur das Kollegium der Schule, sondern auch der Schulelternbeirat gefährdet.

Die Lehrer stellen fest: "Neu an der Bildungspolitik der aktuellen hessischen Landesregierung ist die Skrupel-, Scham- und Konzeptionslosigkeit, mit der die Schulen an die Grenze der Handlungsfähigkeit gebracht werden." Im Schulalltag ging es inzwischen nicht mehr darum, ob den Schülern guter oder schlechter Unterricht angeboten werde, sondern ob unter der Aufgabenflut, die abzuarbeiten ist, überhaupt Unterricht vorbereitet und gehalten werden könne. Jedes Gesetz, jede neue Verordnung und jeder Erlass, der an die Schulen geht, bedeute Mehrarbeit. "Niemand sagt und weiß jedoch, wer das, was in den Schreibstuben ausgebrütet wird, wann und wie in der Praxis umzusetzen soll."

Die Pädagogen listen die Arbeitszeiterhöhungen und die ständig wachsende Arbeitsbelastung durch immer neue Erlasse und Verordnungen der vergangenen Jahre auf und stellen einen Forderungskatalog "für eine bessere Arbeits- und Ausbildungssituation an der Schule" auf. Die vom Kultusministerium geplante "Unterrichtsgarantie plus" bezeichnen sie darin als "Etikettenschwindel": "Bei der Unterrichtsgarantie plus handelt es sich bestenfalls um eine Verwahrungsgarantie der Schüler während ausfallender Unterrichtszeiten. Die Pläne, Schüler durch Laien und Tagelöhner (Personal, das nur zur Abdeckung der Unterrichtsgarantie eingestellt wird) betreuen zu lassen, hintertreibt den ständigen pädagogischen Prozess an den Schulen."

Die Otto-Hahn-Lehrer rechnen vor, dass je nach Lehramt eine Erhöhung der Arbeitszeit um bis zu 15 Prozent in den vergangenen 15 Jahren durchgesetzt wurde. "Das gibt es in keiner anderen Berufsgruppe." Darin sei noch nicht einmal mit eingerechnet, dass durch zusätzliche Aufgaben und Anforderungen die Arbeitszeit verdeckt erhöht werde. Dazu zählten zum Beispiel neue Abschlussprüfungen, die einen erhöhten Verwaltungsaufwand bedeuteten. Aber auch die besonders zeitaufwändige Betreuung für die Vorbereitung der Präsentationen für die Haupt- und Realschulabschlussprüfungen, die Verpflichtung zu diversen Fortbildungen oder eine "permanente Umsetzung neuer Vorgaben, die wiederum permanent erneuert und erweitert werden".

Für die GEW liege in den vom Kultusministerium ständig gesteigerten Anforderungen an die Lehrkräfte und in der "kalten Rationalisierungspolitik der Landesregierung" ein weiterer Grund, weshalb Unterrichtsausfälle zunehmend weniger an den Schulen selbst ausgeglichen werden könnten. (fnp)

Quelle:Frankfurter Neue Presse