Krakau Austausch im September 2001

Otto-Hahn-Schule empfängt Austauschschüler aus Krakau

Gelebte Partnerschaft

Zum Auftakt der Feiern zur zehnjährigen Partnerschaft zwischen Krakau und Frankfurt a.M. konnte die Otto-Hahn-Schule in der Woche vom 2.9.01 bis zum 9.09.01 eine Gruppe von 21 Schüler/innen und Lehrerinnen aus Krakau begrüßen. Es war der Gegenbesuch der polnischen Schüler vom 36.Lizeum in Krakau, das künftig den Namen des Schriftstellers Joseph Conrad tragen wird.

D ie deutschen Schüler aus den Jahrgängen 12 und 13 waren im Juni zu Beginn der Sommerferien in Krakau zu Gast und wohnten dort in den Familien ihrer Partner.


Die Lehrer/innen Herr Astemer, Frau Waldkirch und Frau Hirsch waren ebenfalls bei ihren Kolleginnen untergebracht. In Krakau wurde ein Programm absolviert, das sehr verschiedene Eindrücke hinterließ: Unterrichtsbesuche, Stadterkundungen, eine Gebirgswanderung in der Hohen Tatra sowie ein Studientag im Konzentrationslager Auschwitz . Die polnische Gruppe hat dabei die deutschen Schüler immer begleitet. Während der Unternehmungen ergaben sich sehr intensive Diskussionen über die deutsch-polnische Geschichte, insbesondere aber auch über die gegenwärtigen Beziehungen sowie über die Zukunftsperspektiven der Partner Polen und Deutschland. Der deutsche Generalkonsul Dr.Zeitz erörterte in seiner Residenz bei einem kleinen Empfang menschliche, politische und wirtschaftliche Aspekte mit den polnischen und deutschen Schülern.

Beim Abschied in Krakau freuten sich alle Partner darauf, sich schon im September wiederzusehen. Die Woche in Frankfurt war ebenso vollgepackt und erlebnisintensiv wie jene in Krakau. Als erstes fand ein offizieller Empfang im Römer statt, bei dem Stadtrat Friedrich in Anwesenheit von Stadtverordnetenvorsteher Bührmann und Vertretern der Parteien im Römer die Hoffnung äußerte, dass dieser Austausch zwischen beiden Schulen nicht nur von kurzer Dauer sei, sondern eine Tradition in den Beziehungen erwachse, ähnlich den Partnerschaften mit Deuil la Barre in Frankreich und mit Hodmezövsarhely in Ungarn., welche auf eine gewachsene Tradition zurückblicken können.

Dies erfordert allerdings ein intensives Engagement der Organisatoren, welches in seinem Umfang oft unterschätzt wird. Ohne viele Unterstützer wie z.B. das Schulamt, das Hauptamt der Stadt Frankfurt und das deutsch-polnische Jugendwerk sowie den Freundeskreis Frankfurt-Krakau wäre ein solches Unternehmen aus finanziellen Gründen gar nicht möglich.

Alle am Austausch beteiligten Vetreter beider Schulen sind der Überzeugung, dass die Partnerschaft sich zu einer langfristigen Beziehung entwickeln wird. Jedenfalls sind auf beiden Seiten echte Freundschaften entstanden.

Die polnische Gäste nahmen an den folgenden Tagen am Unterricht in der Otto-Hahn-Schule teil, erkundeten die Stadt und einige Museen. Ein Besuch auf der Saalburg dokumentierte die Verwurzelung der Geschichte unserer Region in der römischen Antike und ihren Traditionen. Auch die vielkulturelle Offenheit Frankfurts (damals Nidas) und seiner Umgebung (civitas Taunensium) seit quasi 20 Jahrhunderten konnte auf diese Weise zurückverfolgt werden. Eine Wanderung mit Übernachtung von Rüdesheim zur Burg Stahleck ( Bacharach) unter Leitung von Herrn Kildau forderte bei Regen und Wind von den 42 Teilnehmern aus der OHS und dem 36.Lizeum alle körperliche Reserven heraus. Abends gab es Gelegenheit zu langen Gesprächen und zum Feiern. Die Wanderstrecke war ein Stück gemeinsamen Kulturerbes, nämlich ein Teil des sogenannten St.Jakob - Pilgerweges, der im Mittelalter sowohl von Frankfurt wie auch von Krakau begonnen wurde und die Pilger letztlich nach Santiago de Compostela in Nordwestspanien führte. Insofern steckte eine gewisse Symbolkraft in diesem gemeinsamen europäischen Unternehmen. Denn hier werden Wurzeln gemeinsamer europäischer Identität z.B.im Hinblick auf Wertevorstellungen des Christentums erkundet. Gerade in diesem Bereich verschränkt sich die Geschichte der Deutschen und Polen.

Die Schulpartnerschaft ist übrigens aus dem von der EU geförderten Projekt Comenius entstanden , an dem beide Schulen zusammen mit Partnerschulen aus Tallinn, Venedig, Mestre und Lübeck bis 2002 beteiligt sind und gemeinsam mit verschiedenen Schülergruppen Projekte im Themenbereich "Ursprünge" durchführen. Dabei werden die Inhalte miteinander abgestimmt und eine gemeinsame Präsentation aller Ergebnisse (in Kurzform) im Internet angestrebt. Die Erkundung des oben erwähnten Jakobsweges ist zum Beispiel nur ein Projekt der Otto-Hahn-Schule von vielen in diesem Themenrahmen "Ursprünge". Gemeinsame Themen beider Schulen sind etwa die Ursprünge technischer Entwicklungen (insbesondere Flugzeuge, Automobile), welche die schnellen Verkehrsverbindungen über lange Distanzen ermöglichen. Ein anderes gemeinsames Thema ist die Untersuchung der Entstehung unseres Planetensystems. Ebenso arbeiten die Schüler beider Schulen über Fragen kulturhistorischer Ursprünge.

Die Otto-Hahn-Schule kann ab Mitte Oktober eine polnische Schulassistentin für 8 Monate in ihrem Kollegium begrüßen, welche ebenfalls im Rahmen des EU-geförderten Bildungsprojekts Comenius die Möglichkeit erhält, Erfahrungen in einer deutschen Schule zu sammeln. Diese Studentin wird in der OHS unter anderem einen Polnisch- Kurs anbieten vor allem für die Teilnehmer an künftigen Austauschen. Hier können Schüler und Lehrer gemeinsam eine neue Sprache erlernen, was sicherlich eine neue Erfahrung ist..

Für weitere Auskünfte stehe ich gern zur Verfügung

Joachim Astemer
Autor: Joachim Astemer html-Umsetzung: Andreas Tripp Datum: 14.09.2001