Kunst fürs Stille Örtchen

Projekt soll WC-Anlage vor Schmierereien schützen

Bericht der FNP von Simone Wagenhaus

50 Toiletten-Anlagen gibt es in der Stadt. Die meisten davon sind unansehnlich, mit Schmierereien versehen. Auch das Häuschen in Nieder-Eschbach gehörte dazu. Das soll sich jetzt mit Hilfe von Otto-Hahn-Schülern ändern.



Nieder-Eschbach. Noch hat die Dame an der Wand kein Gesicht, und auch am schwarzen Haarschopf fehlt noch jede Menge Farbe. Doch Phillip (17) und Niels (16) malen geduldig an ihrem Porträt. So wie 26 andere Neunt- und Zehntklässler der Otto-Hahn-Schule. Innerhalb ihres Wahlpflichtfachs "Künstlerisches Gestalten" haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, das Toilettenhäuschen an der U-Bahn-Station Nieder-Eschbach nicht nur zu einem Hingucker zu machen, sondern es auch vor ungewollten Schmierereien zu verschonen. Ein Projekt, das unter Federführung vom Präventionsrat gemeinsam von Liegenschaftsamt, der Initiative "Urban Talent" und der Gesamtschule auf den Weg gebracht wurde. Gestern begann die Realisation der Bilder, die die Realschüler und Gymnasiasten seit Januar vorbereitet hatten.

2 Stunden in der Woche

Vor dem weiß getünchten WC-Häuschen stehen zahlreiche Farbflaschen. Immer mal wieder kommt ein Schüler heraus, spritzt ein wenig frisches Rot, Blau und Co. auf seine Palette, verschwindet wieder im Innern des Gebäudes. Sie haben viel vor - und sie haben immer nur zwei Schulstunden in der Woche Zeit, um ihr Werk bis zu den Sommerferien fertig zu stellen. Denn nicht nur von innen, auch von außen soll das bislang unscheinbare Toilettenhäuschen etwas ganz Besonderes werden. Klar, dass sie sich nicht groß von der Präsentation des Projekts stören lassen.

Es sei ein Phänomen, dass an Toilettenhäuschen gerne Schmierereien angebracht werden - vor allem innen, das sei das Auffällige in Nieder-Eschbach gewesen, sagte Claudia Kranz vom Liegenschaftsamt. So schnell die "Kunst" beseitigt wurde, so schnell war das Gebäude wieder verschandelt. "Wir wollen den Jugendlichen die Gelegenheit geben, ihre kreativen Talente mit positiver Energie zu füllen." Deshalb finanziere das Liegenschaftsamt auch das Material. Und damit die Mädchen und Jungen merken, dass die Stadt ihre Arbeit wertschätze, sei die Renovierung der WC-Anlage vorgezogen worden. Sie soll ebenfalls zu Beginn der Sommerferien beendet sein. Außerdem werde überlegt, das bislang 24 Stunden geöffnete Klo nachts zu schließen.

Schüler sensibilisieren

Drei Kunstpädagogen leiten die Schüler bei dem Projekt an. Einer von ihnen ist Christoph Schnee, der die Initiative "Urban Talent" 2008 gegründet hat und die jungen Talente mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernem Milieu fördert. Schnee, der freischaffender Maler ist, wurde einst selbst gefördert und möchte nun etwas zurückgeben. "Das Konzept ist es, die Schüler für die Problematik des Vandalismus im öffentlichen Raum zu sensibilisieren", betont er. Klingt logisch: Das, was man selber gestaltet hat, zerstört man auch nicht. Und außerdem macht diese Art von Unterricht den Jugendlichen besonders viel Spaß. "Ich habe schon immer gerne gemalt. Klar, dass ich bei so einem Projekt mitmache", sagt auch Phillip. Lächelt. Dreht sich zur Dame an der Wand. Und malt weiter.

© 2010 Frankfurter Neue Presse