Einmal wie ein Model seinBericht aus der Frankfurter Neue PresseDie Otto-Hahn-Schule möchte Jugendlichen bei der Berufswahl helfen. Und so stellen verschiedene Experten aus der Arbeitswelt ihre Profession ganz praktisch vor.![]() Nieder-Eschbach. "Der Kosmetikschule erster Teil: Wir bestimmen nun erst mal, wo die Augenbrauen anfangen sollen." In der Bibliothek der Otto-Hahn-Schule wurde gestern nicht nur von Büchern gesprochen. Hairstylistin und Visagistin Barbara Hostalka war gekommen, um den Schülern der achten Klasse einen Einblick in ihren Beruf zu gewähren. "Wer hat sich hier schon einmal die Haare mit einem Faden gezupft?", fragt die international gefragte Stylistin, die in Darmstadt lebt, aber dank ihres Berufes in der ganzen Welt zu Hause ist. Negin (14) erweist sich als fachkundige Kennerin und darf sogleich Hand und Faden an ihrer Klassenkameradin Nathalie anlegen. "Ich habe die Technik bei anderen Frauen gesehen und mir selbst beigebracht", sagt die 14-Jährige, die genau weiß, wie sie den Faden kreuzen muss, um den kleinen Härchen zu Leibe zu rücken. "Ich frisiere zu Hause auch meine Familie und hab schon ein paar eigene Kunden." Negin interessiert sich sehr für einen Beruf in der Beauty-Branche und macht demnächst ein Praktikum im Frisörladen. Berufe zum AnfassenDer Workshop mit Barbara Hostalka ist Teil der Veranstaltungsreihe "Berufe zum Anfassen" und wird von der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle der Stadtbibliothek Frankfurt organisiert. Das Programm richtet sich speziell an Jugendliche der Hauptschule und gibt ihnen eine Möglichkeit, mit Experten aus der Berufswelt zusammenzukommen. "Die Bibliothek soll keine Insel sein, sondern die Schüler mit Menschen in Kontakt bringen", sagt Hanke Sühl von der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle. "Dies ist der vierte Teil unserer Veranstaltungsreihe. Zuvor hatten wir unter anderem einen Werbedesigner eingeladen." An der Otto-Hahn-Schule ergänzt das Projekt das Berufsorientierungsprogramm "Level 24", das die Schule in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Verein für Jugend und Sozialarbeit organisiert. Dabei können sich Schüler der achten und neunten Klassen in Praktika ein Bild von möglichen Berufsfeldern machen und erhalten unterstützende Impulse auf dem Weg von der Schule zum Beruf. Mädchen sind begeistertVon Barbara Hostalkas Kosmetikkurs sind die Mädchen begeistert. Auch Pina (14), die in den Genuss eines Alltags-Stylings mit geformten Wimpern und Tusche gekommen ist, hätte gerne ein Praktikum beim Frisör gemacht, hat aber nun einen Platz im Blumenladen gefunden. Für Faruk (14) kommt das nicht in Frage. Er interessiert sich mehr für Autos und hat ein Praktikumsplatz in einer Kfz-Werkstatt. "Der Kurs hier ist vor allem für Mädchen, weil die sich immer hübsch machen wollen", sagt er. "Aber interessant ist es trotzdem, was die Mädchen so alles machen." Für Stylistin Barbara Hostalka ist es der erste Kurs in einer Schulklasse, aber es macht ihr richtig Spaß. "Ich habe selbst meine Liebe zum Styling in der Schule entdeckt", sagt sie. "Damals habe ich die Darsteller unsrer Theatergruppe geschminkt. Da habe ich als Visagistin gearbeitet, ohne zu wissen, dass das auch ein Beruf sein kann." Nach ihrem Abitur und einer Friseurausbildung studierte sie auf Lehramt und kam erst Jahre später dazu, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Seitdem arbeitet sie freiberuflich als Visagistin und Hairstylistin bei Fotoshootings in aller Welt. "Der Weg zu diesem Beruf hat oft damit zu tun, die Veränderung durch Styling am eigenen Körper zu erleben", sagt sie. "Deshalb zeige ich den Jugendlichen, wie sie mit einfachen Mittel viel erreichen. Wenn ich dabei jemandem Lust auf diese Arbeit mache, freue ich mich wahnsinnig." mea © 2009 Frankfurter Neue Presse |