31.08.2009 Mehr Zeit für Kindertheater

Was Mädchen mit 12 bewegt - die Theater-AG der Otto-Hahn-Schule bei den Schultheatertagen

Bericht: Nieder Eschbacher Anzeiger / Y. Bergemann

Das Leben ist mit zwölf Jahren annähernd nicht so unkompliziert, wie wir Erwachsene uns dies oft weismachen: dies war nur eine Erkenntnis der Zuschauer des Stücks '12', das am 05. Juli im Mousonturm unter der Leitung von Lehrerin Heidi Hübner-Kühne im Zuge der Schultheatertage seine Uraufführung hatte.

Die insgesamt neunköpfige Theater-AG der Otto-Hahn-Schule mit Carolin, Janina, Judith, Lea, Lidia, Maria, Melda, Myra und Nila aus den Jahrgängen 5 und 6 zeigte eindrücklich, welche Gefühle die Mädchen bewegt.

In sechs Szenen, WERDEN/ WARUM/ SUCHEN-ENTDECKEN/ KEINE ZEIT/ ICHDUICHDUICHDU-WIR/ BEZIEHUNGEN, die sich in ganz unterschiedlicher Ästhetik thematisch zu einem Ganzen fügen, erfährt der Zuschauer, was zwölfjährige Schülerinnen im Spannungsfeld zwischen der Entdeckung der eigenen Persönlichkeit und den Ansprüchen der Erwachsenenwelt beschäftigt.

Seit Beginn des Schuljahres 2008/2009 arbeitet Lehrerin Hübner-Kühne mit der Gruppe und hat die Schülerinnen durch ihre Arbeit zu einer erstaunlich reifen Darstellung begleitet.

"Am Anfang waren wir nur eine Arbeitsgemeinschaft in der Schule, jetzt sind wir eine richtige kleine Schauspieltruppe", freut sich Heidi Hübner-Kühne, "für die Mädels war das ein ganz großer Tag und es ist ja auch etwas Besonderes, auf einer öffentlichen Bühne mit professionellen Beleuchtern und Technikern spielen zu dürfen."

Zu Beginn des ersten Halbjahres war es zunächst ein Anliegen, die Gruppe 'spielfähig' zu machen, da gab es ohne Planung eines Stückes 'Warming-ups', Übungen, Bewegungsabläufe und Improvisationen und immer wieder auch kleine Meditationssequenzen, ausgelassenes Schrei-Chaos und vieles mehr.

"Dies sind notwendige Übungen, um die Schülerinnen frei zu machen, Vertrauen innerhalb der Gruppe aufzubauen, gegenseitigen Anerkennung und Respekt zu zeigen und vor allem Ernsthaftigkeit und Abbau von Scham zu erreichen", erklärt Hübner-Kühne, "die Bühne sollte als Raum wahrgenommen werden, der frei macht".

Doch dazu gehören auch Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, den eigenen Körper als Ausdrucksmittel zu spüren und bewusst einzusetzen und in der Gruppe gemeinsam etwas zu produzieren. Immer wieder mussten die Schülerinnen versuchen, die unterschiedlichsten Gefühle ohne Worte darzustellen. Die Sprache als Ausdrucksmittel kam erst später hinzu.

Anlässlich der Verabschiedung von Schulleiter Stefan Schmidt im Februar, bei der die Theater-AG das erste Mal vor Publikum drei Szenen spielte, reifte schließlich der Gedanke, ernsthaft etwas Ganzes aufzubauen - vielleicht sogar für die Schultheatertage. "Und es sollte etwas sein, was sie selbst entwickeln würden, eigene Anliegen, ihre Nöte, Ängste, Lust, Freude sollten präsent werden. An einem Nachmittag haben sie in der Stille alles aufgeschrieben, was in ihrem 12-jährigen Leben von Bedeutung ist - das durfte wirklich alles sein", berichtet Heidi Hübner-Kühne, "und so nach und nach entwickelten sich die Ideen für die verschiedene Szenen."

So hält uns das Stück KEINE ZEIT den Spiegel vor, wie wir Erwachsene mit unseren Äußerungen von unseren Kindern wahrgenommen werden, dass wir für schöne Dinge wie Zärtlichkeit und Spiel, für ihre Sorgen und Sehnsüchte häufig zu wenig Zeit haben, zu oft hingegen harsche Worte in Form von Ermahnungen, Anweisungen, Einschränkungen. "Keine Widerrede!"

ICHDUICHDUICHDU-WIR vermittelt die entsprechend trotzige Botschaft an die Eltern: "Ich bin ich! Ich will nicht so sein, wie ihr mich wollt, ich bin ich!"

BEZIEHUNGEN zeigt in Standbildern sich verändernde Beziehungen: es wird sich verschlungen und verknotet, wieder entwirrt, vorsichtig neue Kontakte geknüpft, neue Interaktionen gestartet.

Die Mädchen haben sich in der Mehrheit bei der Musik für eine sehr langsame, fließende Entspannungsmusik entschieden und später für Szene 3 SUCHEN-ENTDECKEN und Szene 6 BEZIEHUNGEN für Philip Glass, Konzert für Violine und Orchester. "Inzwischen lieben sie diese beiden Sätze von Glass, schon allein das, finde ich, ist etwas Besonderes in dem Alter", sagt Lehrerin Hübner-Kühne.

Alles in allem war es eine sehr gelungene Vorstellung, die Erwartungen für die Zukunft weckt.

Inzwischen ist die Theater-AG so weit, dass im nächsten Schuljahr die Sprache als Ausdrucksmittel stärker mit einbezogen werden soll. "Die Spiellust ist da, Bühnenluft haben sie geschnuppert", berichtet Hübner-Kühne. "Die Ideen sprudeln nur so und die Motivation am Darstellen ist ungebrochen - mal sehen, was daraus werden kann." Die Jungs, die anfangs mit dabei waren, konnten leider auf Grund ihrer anderweitigen Verpflichtungen (sprich: Fußball) nicht dabei bleiben. Man probte eben auch mal am Wochenende, da gab es zu viele zeitliche Überschneidungen.

Für die Zukunft ist bereits eine neue Produktion angedacht und eine Verlosung am Eröffnungstag der Schultheatertage der Frankfurter Sparkasse hat als Startkapital zusätzliche 250 € eingebracht.

(Yasmin Bergemann)