Viel Licht, überallVON GEORGE GRODENSKY / Frankfurter Rundschau
Nieder Eschbach Stefan Schmidt ist ein bescheidener
Mensch. Außerdem ein scheidender. Seit Freitag ist der Leiter
der Otto-Hahn-Schule im Ruhestand. Als korrekter
Naturwissenschaftler formuliert es der 63-Jährige
natürlich etwas anders: "Jetzt beginnt die passive Phase
der Altersteilzeit." Sein Fazit der vergangenen acht Jahre:
"Wir haben viel erreicht."
Schulleiter Schmidt (Bild: FR/Mueller) "Wir", das sind er und sein Team - Stellvertreter, pädagogische Leiter und Stufenleiter. "Sehr gute Kommunikationsstrukturen", sieht Schmidt als Hauptgrund für die Erfolge in seiner Amtszeit: Die Abbrecherquote verringert. Gute Kontakte zu den Institutionen im Stadtteil aufgebaut, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten - Jugendhaus, Sozialrathaus, Polizei. "Schule ist keine Insel", sagt Schmidt. Gutes soziales Zusammenleben zu schaffen sei heutzutage auch Teil der Schulaufgaben. Stolz darauf, Licht in die Schule gebracht zu haben
Auf der Habenseite verbucht Schmidt ebenfalls die bauliche
Entwicklung der Einrichtung. Stolz führt er Besucher zur
modernen zweiten Sporthalle, zum Cafeteria-Neubau, in die neue Aula
im Hauptgebäude, oder zum lichtdurchfluteten Innenhof. Man
muss das verstehen: Vor zwei Jahren gab es an der Schule noch
Klassenzimmer, in die kein Tageslicht drang. Diese Zeiten sind
vorbei.
Seit 2. Februar muss das Team ohne Schmidt auskommen. Eine - laut
Schmidt mehr als qualifizierte - Nachfolgerin steht zwar bereit.
Die Fußstapfen, die es zu füllen gibt, sind aber recht
groß. "Niemand wird als Schulleiter geboren",
bereitet ihr der Vorgänger den Weg und meint gleichzeitig sich
selbst. Die Position sei gar nicht sein ursprüngliches
Karriereziel gewesen. "Ich bin in die Aufgabe hineingewachsen,
weil ich die Schule gut kannte." Schmidt lehrt seit 1988 in
Nieder-Eschbach, er hat die gymnasiale Oberstufe mit aufgebaut und
ab 1995 geleitet.
Nach einem Intermezzo als stellvertretender Schulleiter
übernahm er 2000 den Stab des Chefdirigenten, um ihn jetzt
freudig weiterzureichen - an seine Nachfolgerin Birgit Haake,
bislang Oberstufenleiterin der Heinrich-Mann-Schule in Dietzenbach.
Ein Vollblutlehrer ohne jede Macht-Allüre
"Andere sollen die Chance erhalten", sagt er und
fügt hinzu: "Ich werde ganz sicher nicht unter
Machtverlust leiden." Daraus spricht der Vollblutlehrer, der
leidenschaftliche Pädagoge, der ohne zu zögern
stundenlang über Didaktik der Chemie und Mathematik
diskutieren kann. Zu Verwaltungsaufgaben sagt er dagegen lapidar:
"80 Prozent der Zeit gehen für 20 Prozent der Arbeit
drauf."
Er möchte überdies rechtzeitig aufhören - von
selbst, ohne dass ihm andere das nahelegen müssten. "Man
muss immer 110 Prozent geben, 100 reichen nicht", sagt er. Und
dass er darum Gesundheit und soziale Kontakte vernachlässigt
habe.
Ein Jahr lang war er sogar ans Schulamt abkommandiert. Dort ist er
sich - als ein Mann aus der Praxis - ein bisschen exotisch
vorgekommen. "Manche Dinge, die von oben kommen, entbehren den
Bezug zur Realität." Das Schlimme daran: "Die
Schüler müssen es ausbaden." Zum Beispiel die
Unterrichtsgarantie Plus. Oder das neue Quereinsteigerprogramm.
Dieses lässt des Chemikers Halsschlagader besonders
gefährlich anschwellen. "Ich habe ja zufällig auch
einen Doktortitel", grollt er. Das heiße aber noch lange
nicht, dass er am Nordwestkrankenhaus als Chirurg einsteigen
könne.
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