Fit für Einstieg ins BerufslebenSozialpädagoginnen begleiten erfolgreich HauptschülerInnenEin Bericht der Frankfurter Neuen PresseFNP / Nieder-Eschbach. Aufgeregt steht Chatira auf der Bühne. Die Zwölfjährige wippt von einem Fuß auf den anderen. Zum Glück hat sie ihre Karteikarten in der Hand, sonst wüsste sie wohl auch nicht, wohin mit ihren Händen. Die Hauptschülerin klammert sich während ihrer Buchvorstellung beim Praxistag ihrer Klasse an das Papier fest. Es gibt ihr Halt. Halt geben Chatira und den anderen Siebtklässlern auch Gabriele Gdanietz und Daniela Strauch. Sie sind da, wenn die Hauptschüler Hilfe bei Bewerbungen brauchen, aber auch bei Problemen mit Freunden oder Familie. Beim Projekt «Level 24» sind die beiden seit zwei Jahren im Hauptschulzweig der Otto-Hahn-Schule im Einsatz. «Insgesamt drei Jahre lang begleiten wir die Hauptschüler und helfen ihnen, sich zu orientieren», sagt Daniela Strauch. Von der siebten bis zur neunten Klasse stehen die Sozialpädagoginnen ihnen bei. Während der Praxistage, wie diesem im Jugendhaus am Bügel, oder aber bei Ausflügen in Museen, müssen die Schüler Verantwortung übernehmen. Beispielsweise ihren Mitschülern den Weg von der U-Bahnstation bis dem Ausflugsziel weisen. «Dadurch erwerben sie neue Schlüsselkompetenzen.» Die Kinder erreichten in jeder höheren Jahrgangsstufe auch ein anderes Entwicklungsniveau, neudeutsch ein «Level». Zusammen sind das in drei Jahren 24 Stufen - daher der Name des Projekts. Die beiden Pädagoginnen haben ein eigenes Büro im Schulgebäude. «Die Schüler können also immer kommen, wenn sie etwas auf dem Herzen haben.» Meist seien das Schwierigkeiten, die sie beim Erstellen einer Bewerbung für Praktika haben, manchmal aber auch die Hürde, überhaupt einen solchen Platz zu finden. Für das Schreiben von Bewerbungen ist der Unterricht da, könnte einem Projekt wie «Level 24» entgegen gehalten werden. «So ist es auch, wir nehmen das Thema im Unterricht durch», sagt Lehrerin Yasmin Bergemann, deren siebte Hauptschulklasse ebenfalls von den Sozialpädagoginnen betreut wird. Aber das sei nicht dasselbe. Die Schüler bräuchten oft individuelle Hilfe, es müsse auf spezielle Probleme eingegangen werden. «Dafür ist im Unterricht oft keine Zeit.» Vor allem dann nicht, wenn den Lehrern der Lehrplan oder der Stoff für die Abschlussprüfung im Nacken sitzt. Neben Fragen wie «Wie verfasse ich richtig einen Lebenslauf?» und: «Wo finde ich eine Praktikumsstelle?» könnten sich auch ganz andere Situationen und Fragen ergeben. «Beispielsweise, wenn eine Schülerin grundlos im Unterricht zu weinen anfängt.» Was solle und müsse eine Lehrkraft dann tun? Früher wäre sie verzweifelt gewesen, hätte vielleicht noch nicht einmal Zeit gefunden, auf die Schülerin einzugehen. «In dem Fall habe ich sie gefragt, ob sie mir ihr Problem erzählen möchte», erinnert sich Yasmin Bergemann. Ihrer Lehrerin habe die Schülerin ihr Herz ausschütten wollen, nicht aber den Sozialpädagoginnen gegenüber. Meist seien Lehrer für solch spezielle Lagen aber gar nicht ausgebildet. «Ich bin kein Sozialarbeiter, so dass ich diese persönlichen Probleme lösen könnte», sagt Bergemann. Nun aber hat sie in den beiden Jugendhelferinnen eine wichtige Stütze gefunden. Doch die könnte wegbrechen. Das Projekt, das vom Stadtschulamt jedes Jahr mit 106 000 Euro finanziert wird und unter Trägerschaft des evangelischen Vereins für Jugend- und Sozialarbeit steht, läuft im Sommer aus. Unter dem Namen «Jugendhilfe in der Schule» könnte es aber weitergehen. Denn den Übergang von der Schule in den Beruf soll auch dieses, im November gestartete, Projekt erleichtern. «Die Otto-Hahn-Schule hat sich dafür auch schon beworben», bestätigt Rüdiger Niemann, Fachreferent bei Schuldezernentin Jutta Ebeling. Da sich die beiden Initiativen zur Sozialunterstützung in Schulen nicht deutlich unterscheiden, könnte es laut Aussage des Referenten sogar einen fließenden Übergang geben. Dennoch müsse der Bedarf der Gesamtschule erst noch vom Jugendhilfe-Ausschuss ausdrücklich festgestellt werden. |