Europa kommt in die SchuleDie FNP berichtet vom Europatag an der OHS![]() Daniel Cohn-Bendit warb vor Otto-Hahn-Schülern für die Zukunft in der Europäischen Union. Die Zwölftklässler sind hingegen noch unentschieden, ob sie sich als Europäer fühlen. Nieder-Eschbach. FNPWie werden Frankfurter Schüler zu Europäern? "Um sich wie ein Europäer zu fühlen, müssen sie Europa erleben", antworten auf diese Frage die Pädagogen der Nieder-Eschbacher Otto-Hahn-Schule. Denn wie die Institutionen der Europäischen Union funktionieren, wird zwar im Schulunterricht gelehrt, doch Begeisterung für die europäische Idee ist damit allein nicht zu wecken. Das versuchten am vergangenen Freitag die Europaabgeordneten Udo Bullmann und Daniel Cohn-Bendit, die mit den Zwölftklässlern der Gesamtschule über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der EU diskutierten. "Wenn man Schüler fragt, als was sie sich fühlen - Europäer oder Deutsche - wissen viele keine Antwort", sagt Friederike Wittig-Salmen, Leiterin des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften. Sie lehrt ihre Schüler, wie die EU-Institutionen besetzt werden, welche Integrationsprobleme herrschen oder wie der Reformvertrag beschaffen ist. "Doch warum Europa so wichtig ist, das können die Jugendlichen nur bei solchen Veranstaltungen verstehen." Und sich dann womöglich entscheiden, ob sie Europäer sind. Deswegen veranstaltet die Schule in der Europawoche der hessischen Landesregierung bereits seit drei Jahren Projekttage. Zudem machen die Schüler einen Ausflug zu einem Institut der EU. Diesmal geht die Reise nach Straßburg, zum Parlament. "So können wir endlich mal den Politikunterricht live erleben", sagt Laura. Für die 19-Jährige sei es ein besonderes Erlebnis, Daniel Cohn-Bendit, Abgeordneter für die französischen Grünen und Alt-68er, ausfragen zu können. Für Cohn-Bendit ist klar: "Mit Europa machen wir Geschichte." In seinem Geburtsjahr 1945 hätte keiner es für möglich gehalten, dass Frankreich und Deutschland einmal Seite an Seite stehen könnten. "Heute haben wir eine friedliche Perspektive." Zwischen den beiden Nationen seien Kriege wie im 18. und 19. Jahrhundert nicht mehr denkbar. Für die Schüler waren die Vorträge und Stellungnahmen Cohn-Bendits und Udo Bullmanns zur EU nur bis zu einem bestimmten Punkt befriedigend. Einmal mehr zeigte sich, dass sogar Politikanfänger wie diese 12. Klassen sich mehr für ihr direktes Umfeld interessieren, als für das nicht greifbare Europa von 27 Staaten. Hitzig wurden Fragen und Antworten erst, als die Schüler Stellungnahmen zur Kopftuchdebatte und zur Zukunft von G 8 hören wollten. Ibrahim (17) fragte Cohn-Bendit, wie sich ein Barrikadenbrecher von 68 heute zu den Rechten der muslimischen Frauen verhält. Warum könne er als Abgeordneter nicht seine Macht nutzen, um Konflikte mit und in den muslimischen Gemeinschaften zu lösen. "Als Dezernent für Multikulturelle Angelegenheiten habe ich mich in Frankfurt für viele junge Frauen eingesetzt", so Cohn-Bendit. Anstatt immer wieder einzugreifen, müsse man einerseits ein schützendes Umfeld schaffen, andererseits auch den Dialog mit den Muslimen fördern. Für die ausführlich vorbereiteten Jugendlichen blieben einige Fragen offen, die werden sie dann im September im Europaparlament stellen. (mer) |